Mai 12 2014

Leishmaniose

Leishmaniose kommt im Bereich der Haustiere bevorzugt beim Haushund vor. Für KatzenNagerRinder und Hauspferd existieren ebenfalls Beschreibungen der Erkrankung.

Ätiologie

Hunde und Nager scheinen das Hauptreservoir des Erregers zu sein. Die Übertragung auf Menschen oder andere Säugetiere entspricht wahrscheinlich nicht dem ursprünglichen Wirtsspektrum der Leishmanien. Zur Entwicklung benötigt der Parasit zwei Wirte. Zum einen handelt es sich hierbei um ein Stechinsekt (Phlebotomus sp. oder Lutzomyia sp.), in dessen Blut sich die etwa 10 bis 15 µm lange, begeißelte und promastigote Form entwickelt und vermehrt. Wirbeltiere einschließlich des Menschen tragen dagegen die mit 2 bis 5 µm Länge wesentlich kürzere amastigote Form in sich, welche geißellos ist und sich bevorzugt im Zellinneren von Makrophagen – hier besonders im Bereich desretikuloendothelialen Systems – aufhalten. Dazu sind sie in der Lage aufgrund ihrer Fähigkeit, den Säuregehalt der Phagosomen zu neutralisieren und freie Sauerstoffradikale im Makrophageninneren abzufangen. Hier findet auch ihre Vermehrung durch Teilung statt.

Die Einteilung der Parasiten erfolgt anhand ihrer Morphologie, des bewirtenden Insektes, der Art der ausgelösten Krankheitssymptome und serologischen Tests. Daneben werden nach der Ähnlichkeit der im Parasiten aktiven Enzyme Zymodeme sowie nach speziellen DNA-Mustern auf den Kinetoplasten Schizodeme unterschieden.

Pathogenese

Im Darm des übertragenden Vektors kommt es nach dem Saugen infizierten Blutes zu einer starken Vermehrung der noch unbegeißelten Form, welche sich anschließend zum größeren, geißeltragenden Parasiten transformiert. Mittels dieser Geißeln wandern die Leishmanien aktiv in den Stechrüssel des Insektes ein und werden von dort bei dessen nächster Blutmahlzeit in die Haut des Säugers übertragen. Sie werden von dendritischen Zellen der Haut und lokalen Makrophagen aufgenommen und vermehren sich in deren Innerem. Nach ihrer Vermehrung zerstören die Parasiten die Zellmembran und werden so wiederum im Organismus freigesetzt, woraufhin sie neuerlich Zellen des Abwehrsystems des Körpers befallen. Hauptsächlich findet dieses in Lymphknoten, Knochenmark, Milz und Leber statt. Die Inkubationszeit ist dabei sehr unterschiedlich und kann zwischen einem Monat und sieben Jahren betragen.
Entsprechend der Immunantwort des Organismus verläuft die weitere Krankheit. Resistente Tiere reagieren auf die Infektion mit einer zellvermittelten Immunantwort über T1-Helferzellen. Überwiegt hingegen eine Immunglobulin-vermittelte Immunantwort, werden die trotz der Anheftung von Antikörpern noch infektionsfähigen Erreger wiederum von Makrophagen aufgenommen und die Infektion breitet sich aus. Mit zunehmender Dauer der Erkrankung wird diese Immunantwort immer unspezifischer, was durch ein Übermaß an zirkulierenden Antigen-Antikörper-Komplexen letztlich zur Ausbildung von Symptomkomplexen wie der viszeralen Form, des Nierenversagens oder zum Tod führen kann. Neben dieser indirekten Schädigung bewirkt der Parasit aber auch unmittelbare Schädigungen, die sich in granulomatösen Entzündungen von Haut, Leber, Niere, Darm, Augen und Knochen äußern können.

Klinik, Diagnostik

Ulzeration und Pigmentverlust am Nasenspiegel und eitrige Konjunktivitis

Hautläsion beim Hund, mit zentraler Nekrose

Viszerale Leishmaniose mit starker Abmagerung

Infolge der Tatsache, dass Leishmanien nahezu alle Organsysteme des Körpers befallen können, kann sich die Krankheit sehr vielfältig darstellen. Einem Großteil der erkrankten Tiere ist jedoch das Auftreten von Störungen der Haut gemein. Anhand der Verteilung dieser Störung können Rückschlüsse auf die Prognose der Erkrankung gezogen werden:

  • symmetrischer Haarverlust und Schuppenbildung: mit 60 Prozent der Fälle häufigstes Krankheitsbild, das vorwiegend Tiere mit intaktem Immunsystem entwickeln; beginnend am Kopf verbreitet sich die Erkrankung am gesamten restlichen Körper (sekundäre Sebadenitis[8]);
  • Hautgeschwüre über Knochenvorsprüngen, an Schwanzspitze und Ohren und im Haut-Schleimhaut-Übergang: betrifft 20 Prozent der befallenen Tiere und deutet auf eine geschwächte Immunabwehr hin. Die Symptome werden einerseits direkt durch die Parasiten hervorgerufen, können aber auch indirekt über eine von Immunkomplexen hervorgerufene Vaskulitis verursacht werden.
  • Knötchenbildung in der Haut: In die Haut eingewanderte Makrophagen führen zur Ausbildung der Knötchen; weitere Abwehrzellen sind nur geringfügig beteiligt. Die Erkrankung tritt bei etwa 12 Prozent der Patienten auf und weist auf eine ungenügende Immunabwehr hin.
  • generalisierte Hautdegeneration mit Pustelbildung im Bereich des Körperstammes: mit 4 Prozent die seltenste Form. Die Pusteln sind mit einer nichteitrigen Flüssigkeit und einigen Parasiten gefüllt. Die Pathogenese dieser Form ist nicht geklärt und es gibt keinen Hinweis auf einen Zusammenhang mit der Immunkompetenz des erkrankten Tieres.
  • Re- oder intermittierendes Fieber mit zwei Spitzen pro Tag (doppelgipfliges Fieber) ist ein Hinweis auf eine viszerale Leishmaniose.

Neben den beschriebenen Störungen kann die Haut weitere Symptome wie übermäßige Verhornung, Krallenverkrümmung, Nagelbettentzündung und Pigmentverlust im Nasen-Maulbereich ausbilden. Auch die Schleimhäute können betroffen sein.

Neben der Erkrankung der Haut sind häufig gleichfalls die inneren Organe betroffen (viszerale Leishmaniose). Je nach Organbeteiligung ist die Ausbildung vonLeberentzündungen, Darmentzündungen, Nierenversagen, Blutgefäßentzündungen, Knochenmarkentzündungen, Gelenkentzündungen, Nervenentzündungen undMuskelentzündungen möglich.

Infolge des sich ausgesprochen vielfältig darstellenden Krankheitsbildes kann die Diagnosefindung schwierig sein, zumal die Krankheit in den meisten Teilen Deutschlands nichtendemisch ist und daher oft nicht zur Routinediagnostik gehört. Daneben gibt es keinen absolut zuverlässigen Test für die Krankheit.
Die Diagnosestellung beruht neben dem direkten Parasitennachweis vor allem auf Untersuchungen zur Immunantwort des Wirtes.
Ein direkter Nachweis der Leishmanien kann mittels zytologischer oder histologischer Untersuchungen erfolgen, bei welchen Zellen des Knochenmarks, der Lymphknoten oder der Haut mikroskopisch untersucht werden, was eine direkte Identifizierung der sich meist intrazellulär befindenden Leishmanien ermöglicht. Als weitere Untersuchung bietet sich als gentechnische Methode die PCR an, welche bei Proben aus dem Knochenmark eine Sensitivität und Spezifität von fast 100 Prozent aufweist.
Unter den indirekten Nachweisverfahren hat die serologische Bestimmung von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz-Test oder ELISA die weiteste Verbreitung gefunden. Obwohl auch hier Sensitivität und Spezifität mit etwa 80 Prozent recht hoch sind, können falsch negative Ergebnisse bei frisch infizierten Tieren, welche noch keine Antikörper entwickelt haben, auftreten. Dieses Problem besteht gleichfalls beim Intrakutantest, der aber unter Umständen eine Aussage über die Schwere des Krankheitsverlaufes ermöglicht. Ferner besteht die Möglichkeit eines Stimultionstestes der mononukleären Zellen des peripheren Blutes.

Therapie der viszeralen Leishmaniose

Häufig ist eine vollständige Heilung der Erkrankung nicht möglich. Die therapeutischen Ansätze konzentrieren sich daher neben der Erregerelimination vor allem auf eine Stärkung der körpereigenen zellulären Abwehr.

Pentamidin

Pentamidin ist Ende der 1930er Jahre in Großbritannien als Mittel gegen die Schlafkrankheit entwickelt worden. Trotz häufiger Nebenwirkungen hat es nach wie vor seinen Platz in der Therapie der Leishmaniose [9].

N-Methylglucamin-Antimonat

N-Methylglucamin-Antimonat (Handelsname Glucantime®[10]) gilt derzeit als Mittel der Wahl in der Behandlung der Leishmaniose. Durch das Medikament werden im Parasiten ablaufende Glykolyse- und Fettsäureabbauvorgänge gehemmt. Die abgestorbenen Leishmanien stimulieren ihrerseits die zelluläre Abwehr. Das Medikament wird nicht im Darmresorbiert und wird daher per Injektion an 20 bis 30 aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht. Als Nebenwirkungen sind schmerzhafte Schwellungen im Bereich der Injektion beschrieben, außerdem kann es zur Ausbildung von Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Miltefosin

Miltefosin wurde erst kürzlich entdeckt und hat sich in Studien als wirksam gegen Leishmanien gezeigt. Miltefosin ist in Deutschland zur Behandlung der Leishmaniose des Menschen zugelassen, für Hunde in Südeuropa und der Schweiz.

Allopurinol

Der aus der Therapie der Gicht bekannte Wirkstoff Allopurinol hemmt die Synthese von Purinen im Wirtsorganismus. Da Leishmanien nicht in der Lage sind, diese Purine selbst herzustellen und daher auf eine Versorgung über den Wirt angewiesen sind, werden sie in ihrer Entwicklung gehemmt. Die Verabreichung erfolgt oral und wird meist mit einem anderen Medikament kombiniert, da Allopurinol lediglich parasitostatischwirkt.

Antibiotika

Bei Auftreten von Resistenzen gegen eine Kombinationstherapie oder einen der oben genannten Wirkstoffe besteht die Möglichkeit des Einsatzes der Antimykotika und Antibiotika Amphotericin B oder Aminosidin.

Vom Institute for OneWorld Health wurde das Aminoglykosid-Antibiotikum Paromomycin in klinischen Studien erfolgreich gegen viszerale Leishmaniose getestet. In Indien liegt für diese Indikation inzwischen eine Zulassung vor.

Weitere Wirkstoffe

Fallberichte schildern den erfolgreichen Einsatz der Antimykotika Ketoconazol und Amphothericin B in Lipidform sowie des Anthelmintikums Levamisol, der von Studien bisher aber nicht bestätigt wurde.

Immuntherapie

Zur Stärkung der körpereigenen Abwehr kann der Einsatz von rekombinatem Interferon eine therapeutische Option sein, da hierbei die Differenzierung von Lymphozyten zu T1-Helferzellen gefördert wird.

Leishmaniose im Zusammenhang mit CVBD

CVBD ist ein international genutzter Begriff im veterinärmedizinischen Bereich. CVBD steht für Canine Vector-borne Diseases, das heißt durch Ektoparasiten (sogenannte Vektoren) übertragene Krankheiten beim Hund, zu denen auch die Leishmaniose zählt.

Diätik

ADVANCE VETERINARY DIETS DERMATOSIS LIMITED ANTIGEN CANINE FORMULA* ist ein diätetisches Alleinfuttermittel für Hunde zur diätetischen Unterstützung der medikamentöse Therapie bei Hunden mit Leishmaniose.

  •  Antioxidant Plus: Maximale antioxidative Wirkung und Potenzierung der zellulären Immunantwort durch synergetischen Effekt von Vitamin A, Vitamin C, Bioflavonoiden, Taurin und Selen.
  • Niedriger Puringehalt: Inhaltsstoffe arm an Purinbasen zur Vorbeugung der Xanthinsteinbildung durch die Allopurinoltherapie.
  • Optimaler Gehalt an Proteinen und Energie zur Aufrechterhaltung der Muskelmasse und einer starken Immunantwort. Proteine mit optimalem Aminosäurenprofil zur Reduzierung der Eiweißstoffwechselprodukte. Verwendung von Proteinquellen mit hoher biologischer Wertigkeit: Ei, Molke, Kaseinat, hydrolysiertes Sojaprotein.
  • Dermoprotektive Formel: Linolsäure, Biotin und erhöhter Gehalt an omega-3-Fettsäuren sorgen für eine rasche Besserung von Hautmanifestationen und für ein gesundes, schönes Haarkleid.
  • Ein optimales Verhältnis Omega 6-: Omega 3-Fettsäuren trägt zur Abschwächung der entzündlichen Reaktionen bei, insbesondere der Hautentzündungen.
  • Anreicherung mit Vitamin C, um pathologischen Veränderungen am Auge vorzubeugen.
  • Reduzierter Phosphorgehalt zur Vorbeugung von glomerulären Dysfunktionen.
  • Hohe Verdaulichkeit und damit optimale Nährstoff- und Energieversorgung. Dies beugt gleichzeitig Verdauungsstörungen vor.
  • Höchste Schmackhaftigkeit für optimale Akzeptanz, was besonders bei Patienten mit Appetitlosigkeit wichtig ist.

 

INDIKATIONEN:

  • Diätetische Unterstützung der medikamentösen Therapie bei Hunden mit Leishmaniose
  • Optimierung der zellulären Immunantwort
  • Vorbeugung der Xanthinurolithiasis
  • Abheilen von entzündlichen Prozessen und Hautläsionen

Es wird empfohlen, vor der Verwendung oder vor Verlängerung der Fütterungsdauer den Rat eines Tierarztes einzuholen.

 Prophylaxe

Ein wesentlicher Bestandteil der Bekämpfung der Leishmaniose ist die Prophylaxe einer Infektion. Der klassische Weg ist hierbei, den Vektor (Krankheitsüberträger) vom Stich am Wirt abzuhalten (Repellenswirkung). Gute Erfolge werden hierbei mit Pyrethroiden wie Permethrin oder Deltamethrin erzielt. Seit dem 14. März 2011 ist europaweit ein Impfstoff zugelassen, der bei Hunden, die negativ auf Leishmanien getestet wurden, das Risiko einer Infektion und Erkrankung nach dem Kontakt mit Leishmanien verringern soll.[11]

Scalibor Collar

Das Scalibor® Protectorband* schützt durch seinen Wirkstoff Deltamethrin Hunde zuverlässig vor Zecken und den Stichen der Sand- oder Schmetterlingsmücke (Phlebotomus perniciosus) sowie der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens pipiens). Gleichzeitig ist Ihr Hund auch zuverlässig gegen die von Zecken und Mücken übertragenen Krankheiten wie Babesiose, Ehrlichiose, Borreliose, FSME, Leishmaniose und Dirofilariose geschützt. Die Wirksamkeit von Scalibor®* beruht dabei auf mehreren Effekten:

  •  Repellent – Effekt: Der Parasit wird vom behandelten Wirt ferngehalten.
  • Anti – feeding – Effekt: Der Parasit wird davon abgehalten den Wirt zu stechen.
  • Knock – down – Effekt: Der Parasit ist gelähmt
  • Letal – Effekt: Der Parasit wird getötet.

Forschung

Seit dem 7. September 2011 gibt es das World-Community-Grid-Projekt Drug Search for Leishmaniasis, das sich zum Ziel gesetzt hat, neue Medikamente gegen resistente Stämme der Krankheit zu finden.[12]

Weitere durch Ektoparasiten übertragene Krankheiten

  • Borreliose
  • Babesiose
  • Canine Ehrlichiose
  • Dirofilariose
  • Rickettsiose
  • Anaplasmose
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